Rödinghausen

Darmühlenbach, östl. Süddorf: Anhebung und Stabilisierung der Bachsohle

Kommune:
Gemeinde Rödinghausen, östlich der Straße „Süddorf“

Gewässer:
Darmühlenbach, Gewässerkennzahl (GWK) 46672, südlicher Seitenarm 1.4.8 und seitlicher Zulauf 1.4.8.1 DAR, Gewässerstationierung 0+780 - 0+880 und 0+020 - 0+060

Art der Maßnahme:
Anheben der extrem tief eingeschnittenen Bachsohle. Abschnittsweise leiden der Mittelgebirgsbach und sein Nebenarm unter einer signifikanten Sohlerosion. Um diesen für das Biotop „Bach“ negativen und unumkehrbaren Prozess entgegenzuwirken, ist der Einbau von natürlichem Baumaterial auf der tief unter Geländeniveau liegenden Bachsohle geplant. Zur Sohlanhebung und -stabilisierung ist der Einbau von Stammstücken, Pflöcken, Faschinen, Tonmergel und Lehmboden vorgesehen.

Umsetzung:
29.05.2017 – 07.11.2017 (mit kurzen Unterbrechungen)

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 01Bild 1 (Januar 2018): Blick in Fließrichtung auf den nun merklich höher und breiter strömenden Bach.

Einleitung:

Der südliche Zulauf vom Darmühlenbach entwässert das Waldareal Vossholz mit zahlreichen kleinen Quellbächen. Dabei wird das geradlinige Fließgewässer im Mittellauf am westlichen Waldrand geführt. Die gegenüberliegende Fläche unterliegt einer Wiesennutzung. Auf den untersten Fließmetern bis zur Einmündung in den Hauptlauf verläuft der monotone Bach zwischen großen Ackerschlägen.

Beim Gewässerabschnitt zwischen dem Laubmischwald und der angrenzenden Wiese hat sich das Fließgewässer bis zu 1,40 m tief in den Untergrund einschnitten. Diese signifikante Sohlerosion ist einerseits auf den gestreckten Verlauf und andererseits auf einen sehr erosionsanfälligen Untergrund zurück zuführen. Andererseits liegt der versiegelte Anteil im unteren einstelligen Bereich und die Ackerschläge befinden sich allesamt in der Peripherie. Auch handelt es sich beim Geländerelief lediglich um eine leicht wellige Form. Neben dem Hauptgerinne neigt auch der südöstliche Seitenarm zur Tiefenerosion. Zudem strömt das Bachwasser unkontrolliert unter bereits frei gespülten Wurzeln einer mächtigen Gemeinen Esche.

Infolge der zunehmenden Sohleintiefung rutschen die unterspülten Böschungen nach und werden fortgespült. Es bildet sich ein kompaktes Abflussprofil aus. Ein sog. Hochwasserschlauch bewegt sich bei erhöhten Abflüssen rasch talwärts ohne in die Niederung auszuufern. Infolgedessen steigt in bebauten Gebieten merklich die Hochwassergefahr mit einhergehenden volkswirtschaftlichen Schäden. Aus ökologischer Sicht entsteht ein sog. hydraulischer Stress für die Bachorganismen und Pflanzenteile (u.a. Diasporen). Diese werden in einen immer kürzer werdenden Turnus rasch talwärts gespült bzw. verdriftet. Gerade an derartige Wechselwirkungen (zwischen nassen und trockenen Phasen) optimal angepasste Lebensgemeinschaften leiden unter derartigem vom Menschen verschärftem Phänomen. Bleibt eine Wiederbesiedlung aus angrenzenden Gewässerabschnitten oder je nach Tier- und Pflanzenart auf dem Luftweg aus, können die Verluste nicht mehr kompensiert werden. Die Folge ist, dass die ursprünglich artenreichsten und dynamischsten Lebensgemeinschaften zunehmend verarmen oder gar aussterben.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 02Bild 2 (Dezember 2016): Blick gegen die Fließrichtung auf den tief im Gelände eingeschnittenen Bachlauf.

Ziel und Umsetzung der Maßnahme:

Wesentliches Ziel der wasserbaulichen Maßnahme ist die Wiederherstellung der vormaligen Einheit Bach und Aue. Schließlich benötigen Fließgewässer in unseren Breiten eine natürliche Niederung. Diese wird bei erhöhten Abflüssen geflutet, um die hydraulischen Kräfte im Gewässerbett abzumildern und gleichzeitig eigendynamische Entwicklungen in der tiefer liegenden Ebene einleiten.

Um diese unabdingbare Voraussetzung zu ermöglichen, war es erforderlich, die tief eingeschnittene Bachsohle durch den Einbau von natürlichen Baustoffen wieder höher im Gelände zu führen. Im Winter konnte sodann geeignetes Baumaterial von Gehölzen im unmittelbaren als auch nahen Umfeld gewonnen werden. Schiefe und z.T. bereits abgestorbene Bäume am Waldrand durften zwecks Gewinnung von Stammholz vor Ort gefällt werden. Es war möglich größere Exemplare bei der Fällung exakt in Richtung der beabsichtigten Einbaustelle zu legen. So konnten zusätzliche Transportwege unterbleiben.

In einem Abstand von durchschnittlich 5 m wurden je nach anvisierter Höhe ein größerer Stamm oder mehrere kleinere quer zur Fließrichtung eingebaut. Die beiden Endstücke ragten mind. 20 cm in die Böschung hinein, um ein Umspülen zu verhindern. Dabei liegen die Stammstücke bündig auf der Sohle. Das dickere Holz dient zur dauerhaften Anhebung des Wasserspiegels im Bach. In der Mitte der Stammstücke erfolgte noch das Aussägen einer Niedrigwasserrinne mit einer Breite von 60 bis 80 cm.

In die entstandenen Kammern zwischen den bis zu 2,40 m langen Stammstücken erfolgte anschließend der Einbau von dicht ausgelegten Faschinen längs zur Fließrichtung. Diese mussten anschließend mit Pflöcken und Draht fest auf die Bachsohle fixiert werden. Danach erfolgte noch der Einbau von Tonmergel im Bereich der Bachsohle und zu den Rändern hin von Lehmboden. Letztendlich konnte so ein leicht geschwungener Bachlauf im zuvor kompakten Abflussprofil auf höherem Niveau entstehen. Die abschnittsweise frei gespülten Böschungskehlen entlang der Rot- und Weißbuchen am Waldrand blieben selbstverständlich für Kleintiere als Unterschlupf erhalten.

Im unteren Abschnitt erfolgte noch der Bau einer rauen Sohlgleite, um den entstandenen Gefällesprung zu kompensieren. Darüber hinaus wurde weiteres Totholz auf der Bachsohle fixiert, um ein vielfältiges Strömungsmuster zu erzielen.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 03Bild 3 (Mai 2017): Das benötigte Baumaterial in Form von Faschinen, Pflöcken und Tonmergel wurde im Wechsel seitlich abgelagert.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 04Bild 4 (Juni 2017): Dieser Baum war bereits abgestorben und fungiert zukünftig als Stammstück im Bachbett. Dazu musste zunächst eine „Kerbe“ in die Böschung gegraben werden, die den Stamm zu den Seiten hin fixiert.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 05Bild 5 (Juli 2017): Bei den vorbereitenden Arbeiten wurde plötzlich eine Drainage frei gelegt, über die Bachwasser in Richtung Mitte der Wiese abgeführt wird. Dies war auch der Grund dafür, weshalb bei Niedrigwasser im unteren Abschnitt kein Bachwasser mehr strömte. Um ein dauerhaftes Entweichen von Bachwasser zu unterbinden, erfolgte die Verdämmung der kleinen Leitung mit Ton.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 06Bild 6 (Juli 2017): Die eingebauten Stammstücke mussten zusätzlich mit schräg in den Untergrund getriebenen Pflöcken (sog. Zangen) fixiert werden.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 07Bild 7 (August 2017): Auf den ersten rund 20 m Bachlauf ist die Sohle bereits angehoben.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 08Bild 8 (August 2017): Blick gegen die Fließrichtung auf 2 übereinander liegenden Stammstücken mit ausgesägter Niedrigwasserrinne. Mehrere Faschinen wurden bereits im Oberwasser eingebaut und mit Tonmergel eingeschlämmt.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 09Bild 9 (August 2017): Die Böschungskehlen am Waldmantel blieben selbstverständlich in seiner Form erhalten.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 10Bild 10 (August 2017): In diesem Gewässerabschnitt musste seitlich Lehmboden eingebaut werden. Hier lag das frühere Bachniveau etwa 1,40 m unter Geländeniveau.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 11Bild 11 (August 2017): Blick talwärts gegen die Fließrichtung auf den nun merklich höher strömenden Bach. In der Bildmitte erkennt man das Stammstück mit ausgesägter Niedrigwasserrinne.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 12Bild 12 (September 2017): An dieser Stelle mündet der Seitenarm (links) in das Hauptgerinne. Zuvor unterströmte der Bach die Gemeine Esche und das Sohlniveau lag rund 50 cm tiefer.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 13Bild 13 (Januar 2018): Blick Bach aufwärts auf den naturnah gestalteten Bachlauf. Unten im Bild beginnt die raue Sohlgleite mit Anschluss an den bestehenden Bachabschnitt.

darmuehlenbach oestl sueddorf anhebung und stabilisierung der bachsohle 14Bild 14 (Januar 2018): In diesem Gewässerabschnitt lag das alte Sohlniveau etwa 1 m unter dem ausgebauten. Rechts erfolgte der Einbau von Lehmboden, um ein seitliches Umspülen entlang der Faschinen zu unterbinden.

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