Bad Oeynhausen

Wulferdingser Mühlenbach, OT Wulferdingsen, westl. „Mühlental“: Bachverlegung in neue Sekundäraue

Kommune:
Stadt Bad Oeynhausen, OT Wulferdingsen westlich der Straße „Mühlental“ nahe der „Schöne(n) Mühle“

Gewässer:
Wulferdingser Mühlenbach, Gewässersystem Kaarbach, Gewässerkennzahl (GWK) 469.922 und Gewässerstationierung 3+500 – 3+680

Art der Maßnahme:
Verlegung des gestreckt verlaufenden Baches mit kompaktem Gewässerprofil vom linken Talrand in eine zuvor modellierte ca. 12 m breite Sekundäraue. Herstellung eines geschwungenen Bachlaufes mit Modellierung eines flachen und breiten Gewässerbettes auf deutlich höherem Sohlniveau. (Teil)Verfüllung des alten Bachbettes und Bau einer rauen Sohlgleite im Unterwasser.

Umsetzung:
September 2017 bis Januar 2018

wu mühlenbach bachverlegung 01Bild 1 (Juni 2018): Blick gegen die Fließrichtung auf den geschlängelten Wulferdingser Mühlenbach. Bei der Sekundäraue liegt der Deckungsgrad der Gras-Kräutermischung mittlerweile bei mehr als 50 % und die gepflanzten Gehölze sind allesamt begrünt. 

Einleitung:
Das Plangebiet liegt innerhalb des Naturschutzgebietes „Wulferdingsener Mühlensiek“. Bereits im Jahr 2009 wurde der gestreckt verlaufende Wulferdingser Mühlenbach auf einer ca. 250 m langen Strecke im nordwestlichen Wiesenareal weiter nach Nordosten verlegt. Dabei erfolgte die Modellierung eines geschwungenen Bachlaufes mit breitem und flachem Gewässerbett. Der vorherige Verlauf blieb erhalten und fungiert seitdem als Vorflut für ein unterirdisches Regenrückhaltebecken. Weiter östlich befindet sich die kulturhistorisch wertvolle Wassermühle mit der Bezeichnung „Schöne Mühle“. Für den Antrieb vom Mühlrad wird der angrenzende Mühlenteich bei Bedarf mit Bachwasser gespeist. In den Sommermonaten finden Schautage in einem 4-wöchigen Rhythmus statt, an denen Wallnüsse gemahlen werden.

Weiter talwärts verläuft das Fließgewässer geradlinig am linken Talrand. Durch den gestreckten Verlauf in Verbindung mit dem anstehenden und erosionslabilen Lösslehm hat sich im Laufe der Zeit eine signifikante Tiefenerosion (ca. 1,60 m unter Geländeniveau) eingestellt. Diese hat dazu geführt, dass sich mittlerweile ein kompaktes Abflussprofil ausgebildet hat. Als Folge davon kommt es nach ergiebigem Regen nicht mehr zu einer ökologisch wertvollen Ausuferung in die Niederung. Die Einheit von Bach und Aue ist nicht mehr gegeben. Dies hat zu einer deutlichen Abnahme der Artenvielfalt in den sehr selten gewordenen Lebensgemeinschaften von Gewässerauen geführt. Dynamische Prozesse, ausgelöst vom Wirkfaktor „Wasser“ finden in einem der vielfältigsten und artenreichsten Ökosysteme der Welt seitdem nicht mehr statt.

wu mühlenbach bachverlegung karteAbb. 1: Ausschnitt aus der Genehmigungsplanung. 

wu mühlenbach bachverlegung 02Bild 2 (März 2016): Blick Bach abwärts auf den gestreckten Gewässerlauf, der eine signifikante Tiefenerosion zeigt und mittlerweile ein kompaktes Abflussprofil ausgebildet hat. Die Fällung der Uferbäume fand bereits ein Jahr vor Baubeginn statt und steht mit der nachfolgenden Maßnahme des WWE-Projektes in keinem Zusammenhang. 

Ziel und Umsetzung der Maßnahme:
Hintergrund der wasserbaulichen Maßnahme ist im Wesentlichen die Reaktivierung eigendynamischer Prozesse in der Bachaue. Dazu wurde im Vorfeld mit allen Beteiligten vereinbart, dass ein etwa 12 m breiter Gewässerkorridor (zzgl. 2,50 m Breite ab OK vom Gerinne) aus dem Wiesenareal zugunsten des Fließgewässers aus der Nutzung herausgenommen wird.

Beim Herrichten des Baufeldes wurden lediglich im oberen Abschnitt Schwarzerlen aus der Sukzession ausgelichtet. In Analogie dazu erfolgte die Rodung einzelner Jungerlen, die bspw. innerhalb der neuen Linienführung des Baches standen. Im mittleren Bachabschnitt fand bereits in 2016 (außerhalb des WWE-Projektes) ein starker Gehölzrückschnitt statt, so dass im unteren Areal lediglich einzelne überhängende Äste gestutzt wurden.

Zu Beginn der umfangreichen Erdarbeiten erfolgte die Modellierung einer ca. 12 m breiten und rund 40 cm tiefen Sekundäraue. Der anfallende Boden wurde zum Teil zu einer Längsmiete an der Straße „Mühlental“ aufgesetzt und später von einer beauftragten Baufirma geladen, abgefahren und entsorgt. Der restliche Bodenaushub verblieb als Längsmiete parallel vom Bach für die anschließende (Teil)Verfüllung des alten Gewässerlaufes.

Im Anschluss daran wurde ein geschwungener Bachlauf mit breitem und flachem Bett südlich vom bestehenden modelliert. Aufgrund der geringen Platzverhältnisse musste die geplante Renaturierungsstrecke in einzelne Bauabschnitte eingeteilt werden. Dabei war es besonders wichtig, die alles entscheidenden Übergänge von Bachbett alt und neu mit höchster Sorgfalt auszuführen. Schließlich war der Aushubboden durch die permanent schlechte Witterung im Herbst stark Wasser gesättigt. Insofern musste vereinzelt sogar extra sog. erdfeuchter Boden aus der Sekundäraue abseits vom Bach kurzfristig ausgekoffert und verbaut werden. Letztendlich ermöglichte dieser eine bessere Verzahnung des eingebauten mineralischen Unterbodens. Dies war eine wesentliche Voraussetzung dafür, um eine Sohlanhebung von etwa 0,80 m erfolgreich zu bewerkstelligen. Schließlich haben sich die kleinen aufgesetzten Bodenmieten durch den andauernden Regen ähnlich wie ein Schwamm voll Wasser gesogen und dienten „nur noch“ der Verfüllung vom alten Gewässerbett außerhalb der renaturierten Bachabschnitte. Der angefüllte Boden im früheren Gewässerbett wird sich ohnehin erst durch weiteren Regen und das Eigengewicht allmählich setzen.

Im Unterwasser war es erforderlich, den entstandenen Sohlsprung zwischen neuem und altem Bachbett mit einer Höhendifferenz von etwa 0,80 m durch den Bau einer rauen Sohlgleite zu kompensieren. Neben der ökologischen Längsdurchgängigkeit unterbindet das Gleitendeckwerk einer möglichen rückschreitenden Sohlerosion im renaturierten Bachabschnitt.

wu mühlenbach bachverlegung 03Bild 3 (Oktober 2017): Eine etwa 12 m breite Sekundäraue wird ausgekoffert. Der anfallende Boden wird etwa zur Hälfte abgefahren, der Rest verbleibt im Baufeld. 

wu mühlenbach bachverlegung 04Bild 4 (November 2017): Nach Fertigstellung der Zweitaue begann die Modellierung eines geschwungenen Bachlaufes. Das neue Gewässerprofil liegt lediglich 20 cm unter Geländeniveau der Zweitaue und misst eine Breite von durchschnittlich 1,50 m. 

wu mühlenbach bachverlegung 05Bild 5 (November 2017): Blick talwärts auf den alten und neuen Bachlauf. Der Höhenunterschied zwischen Bachsohle alt und neu beträgt etwa 0,80 m. Temporär erfolgte die Wasserhaltung per KG-Rohre, damit der bewegte Boden nicht zusätzlich mit Bachwasser in Berührung kam. 

wu mühlenbach bachverlegung 06Bild 6 (November 2017): Blick gegen die Fließrichtung auf die laufenden Arbeiten zur Verfüllung vom alten Bachbett. Stellenweise überschnitt sich die Linienführung von altem und neuem Gewässerlauf. Insofern war es wichtig, dass insbesondere an diesen markanten Stellen erdfeuchter Unterboden neben dem renaturierten Bachlauf frisch ausgehoben und sofort eingebaut wurde (links im Bild).

wu mühlenbach bachverlegung 07Bild 7 (November 2017): Blick talwärts auf den neuen Bachlauf. Kurz nachdem der frisch ausgekofferter Unterboden – außerhalb vom renaturierten Bachlauf (rechts unten im Bild) - eingebaut war, stieg der Grundwasserstand im Entnahmebereich rasch an. In ausreichender Entfernung zum neuen Bachlauf konnte dagegen auch die durchnässte Bodenmiete sukzessive abgetragen und eingebaut werden. 

wu mühlenbach bachverlegung 08Bild 8 (November 2017): Allmählich sind die kleinen Bodenmieten verschwunden und die Breite der Zweitaue inklusive teilverfülltem Bachbett beläuft sich mittlerweile auf etwa 14 m. 

wu mühlenbach bachverlegung 09Bild 9 (November 2017): Anhand dieses Bildes erhält man eine grobe Vorstellung davon, wie groß der Höhenunterscheid zwischen altem und neuem Bachbett ist. Zudem wird deutlich wie sicher der Umgang mit dem Kettenbagger unter derartigen Standortbedingungen sein muss. 

wu mühlenbach bachverlegung 10Bild 10 (Dezember 2017): Die Arbeitsrichtung von oben nach unten bzw. Bach aufwärts nach abwärts wird bei den umfangreichen Erdbewegungen mehr als deutlich. Schließlich muss bei einer derartigen wasserbaulichen Erdbaumaßnahme stets eine Wasserhaltung bzw. Vorflut gegeben sein. 

wu mühlenbach bachverlegung 11Bild 11 (Dezember 2017): Im Unterwasser wird eine raue Sohlgleite hergestellt. Diese kompensiert den entstandenen Höhenunterschied auf der Bachsohle bildet die Anbindung an den alten Verlauf. 

wu mühlenbach bachverlegung 12Bild 12 (Dezember 2017): Kurz vor Beendigung der umfangreichen Erdbewegungen musste die auslaufende Böschung im vormaligen Bachlauf mit Faschinen und Pflöcken stabilisiert werden. Schließlich zeigt der angedeckte Boden Ähnlichkeiten mit sog. Fließerden, die plötzlich ins Rutschen geraten können. 

wu mühlenbach bachverlegung 13Bild 13 (April 2018): Blick talwärts auf den Bachlauf, der sich mitten durch die zuvor modellierte Sekundäraue schlängelt. Um ein vielfältiges Strömungsmuster zu erzielen, wurden zahlreiche Wurzelstubben und sonstiges Totholz eingebaut. 

wu mühlenbach bachverlegung 14Bild 14 (Mai 2018): Blick talwärts (gleicher Standort wie Bild 13) auf die sich allmählich begrünende Zweitaue. Das Sohlniveau des renaturierten Fließgewässers liegt nun etwa 0,80 m über das der vorherigen Bachsohle. 

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