Bad Oeynhausen

Wulferdingser Bach, OT Wulferdingsen, östl. „Hedingser Masch“: Bachverlegung in neue Sekundäraue

Kommune:
Stadt Bad Oeynhausen, OT Wulferdingsen östlich der Straße „Hedingser Masch“

Gewässer:
Wulferdingser Bach, Gewässersystem Kaarbach, Gewässerkennzahl (GWK) 469.92 und Gewässerstationierung 6+150 – 6+350

Art der Maßnahme:
Verlegung des gestreckt verlaufenden Baches mit kompaktem Gewässerprofil vom linken Talrand in eine zuvor modellierte ca. 15 m breite Sekundäraue. Herstellung eines leicht geschwungenen Bachlaufes mit Modellierung eines flachen und breiten Gewässerbettes auf deutlich höherem Sohlniveau. Zur Erhöhung der Auenstrukturen werden ein Parallelgerinne und eine Flutmulde modelliert. (Teil)Verfüllung des alten Bachbettes und Bau einer rauen Sohlgleite im Unterwasser.

Umsetzung:
September bis November 2017 und März bis Juni 2018

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 01Bild 1 (Juli 2018): Blick Bach abwärts auf das Parallelgerinne und eine flache Längsinsel. Bereits nach einem leicht erhöhten Abfluss kam es zu den erwünschten Substratumlagerungen und zum Eintrag von Totholz in der Sekundäraue. 

Einleitung:
Das Plangebiet liegt inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen, die bis dicht an die Böschungsoberkante vom Wulferdingser Bach heranreichen. Der Mittelgebirgsbach verläuft in gestreckter Form entlang von z.T. intensiv bewirtschafteten Acker- und Wiesenflächen. Durch den gestreckten Verlauf in Verbindung mit dem anstehenden und erosionslabilen Lösslehm hat sich im Laufe der Zeit eine signifikante Tiefenerosion (bis zu 1,80 m unter Geländeniveau!) eingestellt. Diese hat dazu geführt, dass sich mittlerweile ein kompaktes Abflussprofil ausgebildet hat. Als Folge davon kommt es nach ergiebigen Regen nicht mehr zu einer ökologisch wertvollen Ausuferung in die umliegende Niederung. Insofern ist die Einheit von Bach und Aue nicht mehr gegeben. Dies hat zu einer deutlichen Abnahme der Artenvielfalt in den sehr selten gewordenen Lebensgemeinschaften von Gewässerauen geführt. Dynamische Prozesse, ausgelöst vom Wirkfaktor „Wasser“ finden seitdem in einem der vielfältigsten und artenreichsten Ökosysteme der Welt nicht mehr statt.

Stattdessen kommt es bei Starkregen zu einem bordvollen Abfluss im kompakten Gewässerbett, ohne dass sich ein Ausufern in die einstige Bachaue einstellt. Dabei bewegt sich ein sog. Hochwasserschlauch schnell talwärts. Folglich nimmt die Überflutungsgefahr in den sich Bach abwärts anschließenden Siedlungsgebieten deutlich zu.

Angesichts der im Zuge der Klimaerwärmung in immer kürzeren Zeiträumen auftretenden Starkregenereignisse treten neben hohen wirtschaftlichen Schäden auch extreme hydraulische Belastungen im Biotop „Bach“ auf. Dabei wird natürliches Geschiebe und Totholz rasch talwärts geführt. In Analogie dazu werden auch Diasporen und Bachorganismen jäh verdriftet. Eine Regeneration des Ökosystems „Gewässeraue“ durch Erst- oder Wiederbesiedlung standorttypischer Lebensgemeinschaften wird damit immer unwahrscheinlicher.

Wenn man sich die Geländetopographie vor Ort anschaut, dann fällt dem Betrachter auf, dass das ursprüngliche Taltiefst etwa 300 m weiter südlich liegen müsste. Kurz nach der Unterquerung der Straße „Hedingsener Masch“ mündet der Wulferdingser Mühlenbach (der unmittelbar parallel der Straße verläuft) in einem unnatürlichen rechten Winkel in den Hauptlauf. Im Einmündungsbereich gibt es einen ca. 0,40 m hohen Sohlabsturz beim nördlichen Nebenarm.

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue karteAbb. 1: Ausschnitt aus der Genehmigungsplanung. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 02Bild 2 (Mai 2017): Blick Bach abwärts auf den geradlinigen Mittelgebirgsbach (in etwa gleiche Höhe vom Bachabschnitt wie Bild 1). Das kompakte Gewässerprofil hat eine Breite von rund 3 m und eine Tiefe von bis zu 1,80 m. Im Vordergrund erkennt man angestautes Astwerk nach einer erfolgten Gewässerunterhaltung. 

Ziel und Umsetzung der Maßnahme:
Hauptziel der wasserbaulichen Maßnahme ist die Reaktivierung eigendynamischer Prozesse in der Bachaue. Bereits im Vorfeld hat die Stadt Bad Oeynhausen einen 15 m breiten Korridor südlich vom Bach erworben. Jetzt war es möglich, eine sinnvolle gewässerökologische Baumaßnahme durchzuführen. Die Breite des Gewässers beträgt ab OK etwa 4 m, so dass sich eine Gesamtbreite der Zweitaue von immerhin 18 m – abzüglich geplanter Talböschungen - ergibt.

Beim Herrichten des Baufeldes wurden einzelne junge Schwarzerlen gerodet, die in der geplanten Linienführung des neuen Bachlaufes standen. Ansonsten mussten lediglich einzelne überhängende Äste der Uferbäume gestutzt werden. Darüber hinaus erfolgte punktuell die Beseitigung von Strukturbeeinträchtigungen in Gestalt von kleinen Fremdkörpern wie bspw. Ufersicherung aus Bauschutt o.ä.

Zu Beginn der umfangreichen Erdarbeiten erfolgte die Modellierung einer ca. 15 m breiten Sekundäraue mit einer Aushubtiefe zwischen 0,80 und 1,20 m. Die neu entstandene südliche Talböschung hat eine Neigung von 1:1. Der anfallende Boden wurde zum weitaus größten Teil zu einer mächtigen Längsmiete nahe der Straße aufgesetzt. Das Laden und Abfahren zu einer naheliegenden Kippstelle auf einer großen Ackerparzelle (außerhalb der Niederung) übernahm eine Tiefbaufirma in den Wintermonaten. Lediglich ein kleinerer Teil von etwa 25 % Erdaushub verblieb im Baufeld als kleine Längsmieten parallel vom alten Bachlauf. Dieser diente der anschließenden, abschnittsweisen Verfüllung des alten Bachbettes.

Nachdem das Planum der Zweitaue fertig gestellt war, erfolgte die Modellierung von einzelnen Gewässerbögen mit durchschnittlich 2,50 m breitem und maximal 0,30 m tiefem Bachbett. Die Anbindungen an den bestehenden und zu erhaltenden Gewässerabschnitten liegen allesamt in einem spitzen Winkel. Bei den unmittelbaren Übergängen vom neuen ins alte und vom alten ins neue Bachbett wurde der vorhandene Sohlsprung (von nur noch rund 0,50 m) mit Senkfaschinen und einzelnen Bruchsteinen stabilisiert. So konnte eine rückschreitende Sohlerosion in die renaturierten Bachabschnitte unterbunden werden. Darüber hinaus ist es möglich, dass die Wiederbesiedlung von den alten Abschnitten in die neuen rascher erfolgt. Seitdem besitzt der renaturierte Wulferdingser Bach Gewässerabschnitte mit tiefem und flachem Wasserkörper. In Analogie dazu befinden sich im Wechsel seicht überströmte und schnell strömende Strecken in den neuen als auch ein sich träge fortbewegender Wasserkörper in den alten Bachabschnitten. Durch diese unterschiedlichen Strömungsmuster werden zukünftig vielfältige Sohl- und Uferstrukturen entstehen.

Nach erfolgreicher Umleitung des Bachwassers in die neuen Bachabschnitte fand noch die Modellierung einer Flutmulde statt. Darüber hinaus konnte in einem signifikant sandgeprägten Abschnitt ein Parallelgerinne ausgekoffert werden. Gleichzeitig entstand eine flache Längsinsel, die bereits beim ersten erhöhten Abfluss seicht überströmt wurde. Vielerorts kam es bereits zum Eintrag von angeschwemmtem Totholz.

Im Unterwasser war es erforderlich, den entstandenen Sohlsprung zwischen neuem und altem Bachbett mit einer Höhendifferenz von etwa 0,50 m durch den Bau einer rauen Sohlgleite zu kompensieren. Neben der ökologischen Längsdurchgängigkeit unterbindet das Gleitendeckwerk einer möglichen rückschreitenden Sohlerosion im renaturierten Bachabschnitt.

Nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten erfolgte noch die Pflanzung standorttypischer Laubgehölze sowie die Einsaat einer Kräuter-Grasmischung.

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 03Bild 3 (Oktober 2017): Nachdem das Baufeld hergerichtet war, begann die Modellierung einer etwa 15 m breiten Sekundäraue. Dabei wurden aus Kostengesichtspunkten neben dem Kettenbagger bis zu drei weitere Baumaschinen für den Bodenabtransport (Maximalstrecke ca. 180 m) eingesetzt. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 04Bild 4 (Oktober 2017): Blick talwärts auf die umfangreichen Erdarbeiten. Abschnittsweise konnte der Galeriewald entlang des Baches erhalten bleiben. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 05Bild 5 (November 2017): Blick talwärts von der bis zu 4 m hohen Längsmiete auf die bereits im unteren Abschnitt fertiggestellte Sekundäraue. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 06Bild 6 (März 2018): Eine Tiefbaufirma trägt die Bodenmiete ab und transportiert den Boden auf eine naheliegende Ackerfläche (außerhalb der Niederung). 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 07Bild 7 (April 2018): Blick gegen die Fließrichtung auf den ersten (untersten) Gewässerbogen mit leicht geschwungenem Verlauf. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 08Bild 8 (April 2018): Blick Bach abwärts auf den unmittelbaren Übergang vom alten in den neuen Bachabschnitt. Die alte Gewässerstrecke (vor dem zweistämmigen Baum) ist bereits verfüllt. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 09Bild 9 (Mai 2018): Blick talwärts auf die Umleitung des Bachwassers in den obersten Gewässerbogen. Bei derartigen Übergängen ist es außerordentlich wichtig, dass möglichst bindiger, erdfeuchter Unterboden für die nötige Sperrschicht eingebaut wird. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 10Bild 10 (Mai 2018): Auf einer etwa 40 m langen Strecke entsteht ein flaches Parallelgerinne, das aktuell durchströmt wird. Rechts befinden sich die kleinen Erdmieten für die Verfüllung des alten Bachbettes. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 11Bild 11 (Juni 2018): Blick talwärts auf die neu entstandene Zweitaue mit leicht geschwungenem Wulferdingser Bach. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 12Bild 12 (Juni 2018): Blick Bach abwärts auf das flache und breite Gewässerbett, wo sich innerhalb kürzester Zeit erste Umlagerungen von Sediment einstellten. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 13Bild 13 (Juni 2018): gegen die Fließrichtung auf die bereits überströmte Sekundäraue. Der Eintrag von Totholz erfolgt rasch. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 14Bild 14 (Juni 2018): An dieser Stelle liegt der Übergang vom alten in den renaturierten Bachabschnitt. Der vorherige Gewässerverlauf war gerade und lag links vom kleinen Baum (gleicher Standpunkt wie Bild 8) 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 15Bild 15 (Juni 2018): Blick talwärts auf Zweitaue mit renaturiertem Bach. Mittlerweile hat sich die Talböschung neben einer erfolgten Kräuter-Grasmischung selbst begrünt. 

wulferdingser bach ot wulferdingsen oestl hedingser masch bachverlegung in neue sekundaeraue 16Bild 16 (Juli 2018): Blick gegen die Fließrichtung auf erste Sedimentumlagerungen auf der breiten Bachsohle. 

 

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